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Posts Tagged ‘Schönheit’

Es ist kalt geworden. Heimlich und lautlos hat sich der erste Schnee des Nachts über die Wiesen gelegt und meine Augen blicken in eine neue Welt. Die grau-braune Herbstwelt wurde von einem weißen Hauch überzuckert. Fast bescheiden liegt der erste Schnee auf der Wiese, nur ein kleiner Vorbote des Winters, ein kleiner Gruß der kalten Jahreszeit, es ist Zeit! Die Welt wird ruhig, alles zieht sich zurück in die eigenen Seelenfestung, denn der Herbst ist die Zeit des Rückzugs, der Mauern, des Schutzsuchens. Manche wehren sich noch gegen den Winter, weigern sich, den warmen Mantel aus dem Schrank zu räumen, nähren sich noch von den letzten Strahlen des Sommers, aber die kalten Winde singen von Schnee und Eis, von Ruhe und Stille, der langen Zeit des Wartens, der Einkehr in die Tiefen der eigenen Seele. Vereinzelte Sonnenstrahlen verbreiten ein kühles Licht, betupfen die graue Welt mit goldenen Klecksen, lassen stumme Gesichter leuchten. Blätter tanzen von den Bäumen, der letzte Tanz…Verfall und Wiederbeginn, alles liegt so nahe zusammen, Schönheit und Kälte, alles stirbt feierlich, tanzend, düster strahlend, bereitet sich auf den Schlaf, die Starre vor, um dann, im neuen Jahr wieder voll neuer Kraft und Schönheit aufzublühen.

Ich liebe diese Zeit. Ich liebe die düstergraue Nebelstimmung, die Dunstverhangenen Berge, die vermantelten Bäume, die Nebelvorhänge wie Tore in eine andere Welt jenseits von Zeit und Raum. Die Welt scheint ihren Gang zu verlangsamen, alles wird ein bisschen leiser, ein bisschen verlassener, ein bisschen dunkler und doch hat diese Zeit ihre ganz eigene Macht und stille Schönheit. Ich liebe es, wenn die Blätter tanzend sterben und im Winde zu Boden kreisen. Ich liebe den feuchten, modrigen, aber frischen Geruch des Waldes und des Nebels. Ich liebe den Regen, der die Erde reinwäscht. Ich liebe den Wind, der meine Gedanken fort trägt und mich wieder zurück zu mir, zu meinem zitternden Körper, meinen kalten Händen und Zehen und den roten Wangen bringt und mich neu belebt. Ich liebe das Gefühl, den kalten Winden zu entkommen und in einem warmen Bus Zuflucht zu finden. Und ich liebe die Stille, die Ruhe, den Rückzug in die eigene Mitte, weil im Außen nicht viel bleibt, was einen ablenken kann. Das innere Feuer wärmt das Herz, lässt die Kälte nicht auf mein Gemüt zugreifen und verwehrt ihr den Zutritt in meine Gedanken. In mir ist es warm und der zitternde Körper zeigt auch nur dass ich noch lebe, am eigenen Leibe fühle. Ich genieße das Gefühl in mir selbst zu sein, mich zurückzuziehen und zu warten wie ein Keim im Boden, um dann im nächsten Frühling mit umgebremster Kraft auszubrechen und mich der Sonne entgegen zu strecken. Es ist Herbst, der Winter naht und ich freue mich darauf!

Und wenn dann auch noch jemand an meiner Seite ist, um mit mir über die fauchenden Winde zu lachen und dem Sturm die Zunge herauszustrecken, jemand, der mir eine Sonne an die gefrorene Scheibe malt und mein Herz immer von neuem wärmt, wie könnte ich mich da über den Winter beschweren, der doch nur noch mehr Anlass bietet um mich wärmen zu lassen?!

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Letztendlich hat die Sonne den Kampf gegen die schweren Wolken doch noch gewonnen und  ein tiefes Loch in die grauen Massen gerissen. Das zarte Licht der letzten Sonnenstrahlen fällt auf die vorderste Wolkenfront und steckt den Himmel in Brand. Feuer, das  Wasser entflammt. Der Himmel ist ein Gemälde, zartes Blaß-Blau, umarmt von Flieder, in flammendes Rot getaucht-Wer zweifelt bei diesem Anblick an schöpferischen Kräften, die den Himmel in ein Kunstwerk verwandeln? Die schweren Wolken, die wie eine tosende See über der Erde schweben, werden langsam zurückgedrängt. Nur die Berge hüllen sich noch in den düstergrauen Mantel, der sich sanft an ihre kalten Körper schmiegt. In der Ferne hört man das wütende Grollen des Donners, der einmal mehr einen Kampf verloren hat und nun fort zieht, um über andere Länder hereinzubrechen.

Die Luft ist klar, das Land reingewaschen und die Sonne zieht weiter und lässt das Land in Dunkelheit zurück um an anderen Orten Licht zu bringen. Und dann kommt der süße Schlaf  über das Land, schleicht sich von Ort zu Ort um Augen zu schließen und Herzen für die Welt der Träume zu öffnen. Die Abendstille legt sich übers müde Land und man hört nur mehr den tiefen, starken Atem der Welt, und den Puls der Erde, der in unser aller Brust schlägt und uns eins werden lässt, mit den atemberaubenden Wundern der Erde…

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Manche dieser Stars sind wie Sterne -Ihr Licht strahlt noch, doch sie selbst leuchten nicht mehr, sind schon lange tot…

Dieser Satz kam im Zusammenhang einer Dokumentation über das tragische Leben von Marilyn Monroe, die gerade eben auf Arte lief, und er hat mich sehr erschüttert…

Blickt man in das strahlende Lächeln der Schönheit, wer würde da auf den Gedanken kommen, dass sich hinter diesem Lächeln so ein kaputter, zerrissener Mensch verbirgt…Das ganze Leben lang in einer Rolle gefangen, die eigene Haut, das eigene Lächeln nur eine Maske, aus Angst vor sich selbst. Es ist so schrecklich traurig zu sehen, wie sich ein Mensch selbst in den Abgrund stürzt, nur weil er sich selbst nicht annehmen und lieben kann…der Mensch hinter der Maske, der Geist, die Seele, all die Narben-genau das, was einen Menschen zu dem macht, was er ist, wird hinter einer glanzlosen Hülle versteckt, die nur im falschen Licht des Scheinwerfers zu leuchten vermag. Es ist so traurig zu sehen, wie sich jemand sein Leben lang hinter einer Fassade versteckt, aus Angst, die anderen könnten das vernarbte Herz sehen, aus Angst vor dem eigenen Seelenspiegel…

Eine tragische Geschichte eines Menschen, der dem falschen Schein der Bühne nicht entfliehen konnte…aber doch nur ein Beispiel von vielen. Und vielleicht alles nur, weil einem nicht jemand im richtigen Moment ein einfaches „Ich liebe Dich“ ins Ohr flüstern konnte…ist doch das einzige, wonach sich der Mensch im tiefsten Inneren seiner Seele sehnt, ein kleines bisschen Liebe, und jeden, der das Gegenteil behauptet halte ich für einen Lügner oder einen verbitterten, zurückgewiesenen Menschen. Ist nicht die Fähigkeit zu lieben die wertvollste Eigenschaft, die einem Menschen gegeben ist? Und jeder Mensch hat diese Eigenschaft, und wenn er sie nicht hat, dann ist es nicht seine Schuld sondern die jener Menschen, die sie ihm verweigert haben. Wieso gibt es Menschen, die nicht in der Lage sind Liebe zu geben? Wovor haben sie Angst? Wieso gibt es Menschen, die alles geben, von denen man glauben könnte, sie hätten nie Liebe erfahren? Ist das möglich? Es sind zu viele Fragen, auf die es keine Antwort gibt, zu viele Fragen, die mich traurig und zugleich glücklich machen, weil ich kein tragisches Vorzeigebeispiel bin, weil ich lieben kann, aus ganzem Herzen, ohne Rücksicht auf Verluste! Und es sind die Narben, die uns Struktur verleihen, die Schnitte, die uns fühlen lehren und verheilen, sofern wir nicht die ganze Zeit daran herumkratzen.

Es ist traurig zu sehen, wie sich Menschen solange hinter ihrer Fassade verstecken, bis sie vergessen, wie ihr wahres Ich überhaupt aussieht…dabei war sie doch so ein wunderschöner Mensch, möchte man sagen, doch was bedeutet Schönheit? Schöne Menschen haben vielleicht mehr Selbstvertrauen, aber sie haben es nicht besser. Die Anderen bleiben oft an der Maske hängen, alles was sie wollen ist deine Hülle, nicht deine Seele, und du? Du willst nur geliebt werden, ohne die Hülle, ohne Masken…

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Der Herbst besticht durch eine unglaubliche Farbgewalt. Farbenmeer ist gar kein Ausdruck für die bunte Pracht aus flammend roten und goldenen Blättern, die sich scharf gegen das triste Grau des Abendhimmels absetzen. Der Wald steht in Flammen, die Baumkronen scheinen Feuer gefangen zu haben. Die Blätter lodern im Abendlicht wie hungrige Glut, zögern die frühe Dunkelheit des Herbstes noch für einen Augenblick hinaus.

Ich kann nicht umhin, jedesmal wieder den Atem anzuhalten, beim Anblick diese Farbspiels. Die zarten Übergänge, vom tiefen Grün der Tannen über dunkles Rot, bis hin zu leuchtendem Gold…es ist als hätte ein übermotivierter Maler ein bisschen zu energisch den Pinsel geschwungen und dabei ein wenig zu kräftige Farben verwendet, so unwirklich wirken die bunten Waldränder und betupften Berge. Jedesmal wieder entwischt mir ein: „Oh, schau mal, wie wunderschön, dieser Baum…einfach unglaublich, nicht wahr?“ Und jedesmal wieder ist es mir unverständlich, wenn ich nur ein verständisloses  „Hmpf…“ als Antwort bekomme. Wie kann einem diese Farbpracht nicht ins Herz gehen, die warmen Farben der Blätter, das prächtige Gewand der Bäume nicht die Seele streicheln und einem ein Lächeln auf die Lippen zaubern? Gerade im Herbst, wo einem die kalten Winde um die Ohren pfeiffen, man den Schal eng um den Hals schlingt und ein trüber Dunstschleier das ganze Land zu verschlingen scheint, wie kann man beim Anblick der Sonne, die einen einsamen Baum plötzlich leuchten und die Berge lodern lässt, nicht für einen Augenblick innehalten, und die ganze Schönheit des Herbstes einatmen und tief in sich aufnehmen?

Ich spaziere über den Teppich aus trockenem Laub, wirbele die Blätter auf, strecke die Nase in die Luft und sauge den modrigen Geruch von fauligem Laub in mich ein. Ich beobachte die Blätter, wie sie im Winde tanzen und spielerisch zu Boden kreisen, lausche auf das leise Flüstern des Windes, der zitternden Zweige und tanzenden Blätter, und ich lächle, weil in allem ein bisschen Magie steckt und ich den leisen Zauber der Welt wieder spüren kann…

Ich weiß nicht wie ihr das macht, aber ich sammle Farben für den Winter 🙂

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Keine Rose ohne Dornen- oder : Wie die Rose zu ihren   Dornen kam

Diese Geschichte ist ein Märchen. Und wie in allen Märchen, steckt auch in ihr ein Funken Wahrheit.

Lange bevor die Menschen sich auf der ganzen Welt verbreitet haben und alles in ihren Besitz gebracht haben, gab es einmal ein Land, das heute nur noch durch ein kleines Schlupfloch in der Welt deiner Gedanken zu erreichen ist.

In diesem Land, herrschte überall Frieden, denn Krieg war noch nicht erfunden worden und die meisten Lebewesen waren allen anderen wohlgesonnen. Das Land war üppig und grün und die fantastischsten Blumen wuchsen dort.

Doch es gab einen Ort, an dem wollte einfach nichts wachsen. Zwischen grünen Hügeln lag eine kahle Talsenke, in der keine einzige Pflanze wuchs, denn kein Wesen wagte es, diesen Ort zu betreten. In der Mitte der Senke stand ein großer knorriger alter Baum, der schon lange abgestorben war. In diesem alten Baum lebte ein Kobold.

Dieser Kobold war kein netter, kleiner Wicht, wie man ihn sich jetzt vielleicht vorstellen mag. Nein, dieser Kobold war einer der alten, bösen, griesgrämigen Kobolde, die einen Hass gegen jedes Lebewesen hegen, sowie auch gegen sich selbst. Unser Kobold lebte schon seit vielen, vielen Jahren allein in diesem Baum, und er duldete es nicht, das irgendetwas außer ihm in dieser Talsenke wohnte, deswegen verbot er allen Pflanzen auf seinem Grund Wurzeln zu schlagen. Er wollte mit nichts und niemandem teilen.

Es begab sich jedoch, dass sich eine kleine Blumenfee verirrte und zufällig über die verdorrte Talsenke flog. Sie erschrak beim Anblick des toten Landstrichs und konnte seinen Anblick nicht ertragen. Deswegen landete sie ein Stück weit neben dem Baum und konzentrierte sich auf die schönste Blume, die sie sich vorstellen konnte. Ein kleiner Spross brach durch den steinigen Boden, wurde größer und größer, Blätter spreizten ihre Arme und die kleine Knospe an dem Ende begann sich langsam zu entfalten. Zum Vorschein kamen rote Blütenblätter, die sich aneinanderschmiegten und so eine prächtige Blüte bildeten.

Zufrieden lächelte die Fee, strich einmal sanft über die Blüte, flüsterte das Wort „Rose“, erhob sich schließlich und flog fort.

Die Rose stand einsam da, in ihrer unberührten Schönheit. Der lange grüne Stiel war ebenmäßig und glatt und streckte sich in elegantem Bogen der Sonne entgegen. An seinem Ende thronte ihr prächtiges Haupt, das von einem tiefen rot war. Von ihren Blüten strömte ein süßlicher Duft aus, der die ganze Talsenke erfüllte.

Dem Kobold, der geschlafen hatte, stieg ein seltsamer, ungewohnter Geruch in die Nase. Er stürmte aus dem Astloch hinaus und wollte den Eindringling vertreiben, doch der Duft der Rose hatte betörende Wirkung auf ihn und nach kurzer Zeit hatte er vergessen, dass er sich hatte aufregen wollen.

Als er die Rose erblickte, war es ihm, als habe er noch nie etwas Schöneres und Anmutigeres gesehen und wahrlich, so war es ja auch, denn er hatte ja stets alles schöne und liebliche verabscheut. Er konnte der strahlenden Schönheit der Rose nicht widerstehen, angezogen von ihrem Duft, näherte er sich der Pflanze, vorsichtig zunächst, als habe er Angst sie könnte plötzlich davonlaufen. Als er merkte, dass die Rose weiterhin regungslos dastand, wagte er es sogar sie zu berühren. Behutsam streichelte er über ihre Blätter, gab ihr Kosenamen, von einem Moment auf den anderen war der Kobold wie neu geboren, der Bann der Rose hatte ihn gefangen.

Von nun an verbrachte der Kobold jede Sekunde bei der Rose, er erzählte ihr Geschichten, machte ihr Komplimente und Geschenke und war glücklich und zufrieden wenn er ihre zarte Schönheit bewundern konnte.

Die Rose antwortete ihm nicht, zu sehr war sie in sich selbst versunken. Sie bedankte sich auch nicht für die Komplimente und Geschenke, sie war glücklich und zufrieden, wenn sie ihre Blätter und Blüte vom Sonnenlicht kitzeln lassen konnte. Sie genoss es, dass der Kobold sie liebte und bewunderte, doch im Grunde ihres Blumenherzens interessierte sie sich eben doch nur für sich selbst.

Anfangs, war der Kobold so blind vor Liebe, dass es ihm gar nicht auffiel, dass er bei all der Liebe die er gab, nichts zurückbekam. Er dachte: „Sie schenkt mir ihre Schönheit und blüht nur für mich allein“. Ihm genügte es, sie anzusehen, es störte ihn nicht, wenn sie ihm nicht antwortete, immerhin hörte sie ihm ununterbrochen zu. Das kann manchmal besser sein, als wenn man immer unterbrochen wird, oder jemand immer seine Kommentare zu etwas abgeben muss. Das dachte der Kobold am Anfang…

Er gestand der Rose tausendfach seine Liebe, er küsste ihre Blüte, doch sie reagierte nicht. Sie stand regungslos da, wunderschön und still und bemerkte sein Bemühen nicht.Das machte den Kobold traurig und allmählich machte es ihn wütend.

Doch da er seine ganze Aufmerksamkeit der Rose geschenkt hatte, war ihm nicht aufgefallen, dass sich allmählich auch andere Pflanzen und sogar einige Tiere in der Senke eingelebt hatten. In dem Baum brütete sogar ein Vogelpärchen. Der Kobold war zunächst außer sich vor Wut, er wollte alle Blumen ausreißen und die Tiere verjagen. Doch dann erkannte er plötzlich, dass die Rose nicht die einzige Blume auf der Welt war. Er erkannte die schlichte Schönheit der Gänseblümchen und das strahlende Gelb des Löwenzahns und ihm wurde warm ums Herz. Es wuchs zwar nichts, was der Rose an Schönheit glich und doch war jedes Lebewesen auf seine Art wunderschön und unübertrefflich.

Dies erkannte der Kobold nun und er war wütend auf die Rose, weil er sich ihr so blind hingegeben hatte. Er verachtete ihre Überheblichkeit und Selbstverliebtheit, mit der sie ihren Kopf ins Licht reckte. So lange hatte er sich ihre Liebe ersehnt und nie hatte sie ihm irgendeine Beachtung geschenkt. Da wurde der Kobold zornig und er verfluchte die Rose: Wenn er sie nicht haben könne, dann solle sie niemals jemand sein Eigen nennen können. An ihrem davor so ebenmäßigen Stiel wuchsen plötzlich große Spitze Dornen, die jedem, der sie berührte tief ins Fleisch stachen. So stand die Rose da, streckte ihren Kopf ins Licht und genoss die Strahlen, die über ihren Blüten steichelten. Doch niemand wagte sich in ihre Nähe, denn die Stacheln ragten bedrohlich hervor. Sie war einsam, von diesem Tage an, alles was ihr geblieben war, war ihre Schönheit. Doch Schönheit wärmt nicht und streichelt nicht und sie unterhält sich auch nicht mit dir.

Der Kobold hatte viel gelernt. Er hatte die Schönheit des Lebens erkannt und bald war seine Talsenke einer der schönsten Gärten des ganzen Landes. Denn der Kobold redete den Pflanzen gut zu, er ermutigte sie noch ein klein wenig mehr zu wachsen, er goss sie, liebkoste sie…

Und jeden Tag saß er vor seiner Rose, er genoss den Anblick ihrer Schönheit und schenkte ihr täglich ein bisschen Gesellschaft.

Als die Blumenfee wiedereinmal über die Talsenke flog, traute sie ihren Augen nicht. Aus dem verdorrten Land war ein Blütenmeer geworden und überall herrschte reges Treiben. Bienen und Hummeln eilten von Blüte zu Blüte, Schmetterlinge und Libellen hatten sich auf den Blumen niedergelassen, Vögelpärchen brüteten in den Zweigen, viele Tiere hatten ein neues Zuhause gefunden und nichts erinnerte mehr an den Toten Landstrich.

Sie landete neben dem knorrigen Baum und ließ sich neben der Rose nieder, der sie hier einst das Leben geschenkt hatte. War sie doch die schönste aller Blumen, war sie doch einsam. Die Fee schloss die Augen und konzentrierte sich von neuem. Einen kurzen Moment später regte sich etwas im Boden und ein neuer Spross brach durch die Erde. Neben der Rose stand nun eine zweite, die ihr auf Blatt und Blüte glich. Und ihr Stiel war bedeckt von großen, drohenden Dornen.

Der Kobold hatte die Vorgänge von seinem Baum aus beobachtet und lächelte zufrieden. Doch irgendwie war ihm beim Anblick der kleinen Fee ganz warm ums Herz geworden und er dachte bei sich, dass die kleine Blumenfee doch bestimmt nichts gegen eine Tasse Tee einzuwenden hätte…

© by johannatindomerel

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