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Posts Tagged ‘ozean’

weil mich jemand an den Ozean des Lebens erinnerte:


Das Segel (von Michail Lermontow)


Wo Meer und Himmel sich vereinen
Erglänzt ein Segel, weiß und weit-
Was trieb es aus dem Land der Seinen?
Was sucht es in der Einsamkeit?

Es pfeifft der Wind. Die Wellen drohen.
Es knarrt der Mast. Das Segel schwebt-
Nicht vor dem Glück ist es geflohen.
Es ist nicht Glück, wonach es strebt.

Strahlt auch in Gold der Himmelsbogen,
Und glänzt auch noch so blau das Meer-
Das Segel lechzt nach Sturm und Wogen,
Als ob in Stürmen Ruhe wär.
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no escape

…und plötzlich tappte sie mit den Füßen in kaltes Wasser. Da war sie nun, sie war an dem Ort angekommen, an dem es kein weiterlaufen mehr gab, nur noch einen Ausweg.  Sie war so lange gelaufen, rastlos, unaufhaltsam, ziellos, einer trügerischen Sonne entgegen, ständig geflohen, immer weiter davon gelaufen, aus Angst eingeholt zu werden. Doch der Schatten war ihr gefolgt, hatte nie von ihr abgelassen, hatte sie gejagt, verfolgt auf Schritt und Schritt…sie hatte immer gewusst, dass es kein Entkommen gab, dass er sie irgendwann einholen würde. Jetzt stand sie da, atemlos, reglos. Die kalten Wellen umspielten sanft ihre brennenden Füße, strömten vor und zurück, sie spürte die rauhen Sandkörner zwischen ihren Zehen, einst starker Fels, der in Jahrhunderten von dem Wasser geschliffen worden war…Wasser ist stärker als Fels, dachte sie bei sich…das Rauschen der Wassermassen wirkte betäubend und belebend, beruhigend und stärkend…welch eine gewaltige Kraft der Ozean in sich barg, und doch umspielte er sanft und liebkosend ihre Zehen…welch eine Macht und Stärke! Sie lauschte dem rhytmischen Rauschen, hörte das Grollen der herannahenden Wogen, das Donnern der brechenden Wellen, das Zischen der weißen Gischt. Der Wind spielte sachte mit ihrem Haar, wehte ihr die Strähnen ins Gesicht, sie atmete tief und frei die frische Luft der See ein, sie wollte alles in sich aufnehmen, jedes Gefühl, jeden Duft, jedes Bild, jedes Geräusch. Sie schmeckte das Salz auf ihren Lippen, ihr Blick verlor sich  beim Anblick der scheinbaren Unendlichkeit des Ozeans, die würzige Luft beflügelte ihren Geist und ließ sie über die Wellen fliegen, das Grollen des Wassers erfüllte sie mit neuer Kraft…

…mit welcher Gewalt doch die Wellen über den Strand donnerten. Sie war eins mit dem Ozean, dem Sand, dem Wind, langsam schritt sie vorwärts, immer einen Fuß vor den anderen, langsam und bedächtig immer weiter in die rauschenden Wogen. Sie wollte sie spüren, diese Kraft, wollte eins werden, mit der Unendlichkeit der See. Die Wellen umspielten ihre Brust, umschmeichelten ihre Schultern, zogen sie sanft aber bestimmt zu sich. Ihr Kopf verschwand, verschluckt von einer schweren Decke aus salzigem Wasser…sie fühlte die Stärke, mit der die Fluten sie zu sich nahmen, wie die Wassermassen sich um sie schlossen und in ihren Armen aufnahmen. Sie schwebte schwerelos, gedankenlos sank sie nach unten, sie Spürte wie ihre Kleider sie nach unten zogen, doch sie wehrte sich nicht, sie wollte eins werden, mit der Unendlichkeit der See. Ewig schien sie nach unten zu sinken, zeitlos war es hier unten, doch dann berührten ihre Füße den sandigen Boden. Es kam ihr vor wie eine Ewigkeit, in der sie dort am Meeresgrund stand, die Sekunden vergingen wie Stunden, die Strömung wiegte sie sanft hin un her, streichelte ihren Körper…dann spürte sie das Stechen, sie wollte nach Luft japsen, doch ihre Lungen füllten sich mit Wasser, der Schmerz war unerträglich, Panik stieg in ihr auf. Das war nun der Tod? Nein, nicht hier, nicht jetzt, nicht auf diese Weise, sie würde kämpfen bis zum Schluss, sie war stark, sie würde nicht aufgeben! Dann, mit letzter Willenskraft,  stieß sie sich ab, kämpfte sich wieder nach oben. Das Meer wollte sie nicht mehr verlieren, doch ihr Wille war stärker als die Strömung. Ihr Kopf brach durch die Oberfläche, atmete Licht und Luft, sie spürte den Wind, der über ihre Haare strich, die nassen Strähnen klebten ihr im Gesicht…

…sie stand am Ufer, atmete die würzige Seeluft, lächelte, als der Wind ihr Gesicht umspielte, leckte sich das Salz von den Lippen. Sie war lange genug weggelaufen, sie wollte nicht mehr fliehen, es war Zeit sich ihrer Angst zu stellen, doch sie hatte schon immer gewusst, dass es ihr eigener Schatten gewesen war, vor dem sie die ganze Zeit geflohen war. Ein letzter Blick auf den Ozean, sie kannte seine Unendlichkeit und Kraft, sein Gewalt, seine Stärke, seine Geborgenheit…sie ließ das Bild noch lange auf sich wirken, von den Wellen, die auf den Strand donnerten, der Sonne, die sich auf dem Wasser brach und wie tausende silberne Diamanten glitzerte….langsam drehte sie sich um, genoss das Gefühl, eine wichtige Entscheidung getroffen zu haben und endlich einmal das Richtige getan zu haben. Sie hatte den Wind im Rücken, die Sonne, ließ ihren Schatten als langen Schemen vor sich herlaufen…man braucht sich nur umzudrehen, dann verfolgt einen der Schatten nicht mehr, dachte sie bei sich, und betrachtete den Schatten, der nun vor ihr lag. Sie hob den Kopf, ihr Blick wanderte in Ferne, erinnerte sich an Hügel, Wiesen, Wälder, Berge, die es zu überwinden gab…ein Lächeln auf den Lippen begann sie wieder einen Fuß vor den anderen zu setzen, langsam, ohne Eile, bewusst, jeden Schritt genießend, sie machte sich endlich wieder auf den Heimweg, wo auch immer dieses Zuhause liegen mochte…

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