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Die Welt singt…

Die Welt singt. Sie schwingt im Urklang, in der leisen Melodie, die alles durchdringt – dem Lied des Lebens. Und die Welt atmet im Takt…

„Schläft ein Lied in allen Dingen,
Die da träumen fort und fort,
Und die Welt hebt an zu singen,
Triffst du nur das Zauberwort.“

(Joseph von Eichendorff, Wünschelrute)

 

Komm, lass uns Träume trinken

Uns daran berauschen und den trügerischen Morgen

ein wenig länger Trug sein lassen.

Nimm noch einen Schluck,

das Leben ist kurz sagen die Leute

und man muss Tänze tanzen, solange die Musik spielt.

Oder die Welt klingen lassen, singen lassen

beben lassen im Takt der tanzenden Herzen.

Traumseifenblasen platzen,

lachen schillernd im Mondlicht,

bevor sie vergehen.

Hast du Angst?

Welche Ängste hat die Angst?

Komm, lass uns auf den Ängsten reiten,

Gedanken lähmen und

Zweifel zähmen.

Glaubst du, liebst du?

Hörst du das funkelnde Mondlicht

auf dem schwarzen See?

Siehst du die sanften Lieder des Waldes?

Schmeckst du das Gold der Abendsonne?

Fühlst du den Zauber in jedem Atemzug?

Komm, lass uns mit der Zeit tanzen,

Lass uns von Freiheit singen,

Lass uns Träume trinken,

Lass uns leben…

Stille…

Winter – die Zeit der Stille und des Rückzugs – aber in mir ist es zur Zeit ziemlich laut. Die lärmenden Gedanken übertönen jeden Augenblick und schreien ohne Unterlass gegeneinander an.

Ich musste raus, musst weg, packte den Hund ein und fuhr – meine Gedanken im Schlepptau – Richtung Berge, Richtung Winter. Während der Fahrt löste sich der Nebel allmählich auf und blau verschleierter Himmel breitete sich aus. Es war bereits Nachmittag und die Sonne ließ nur mehr die Berghänge und Gipfel in ihrem goldenen Licht erstrahlen. Der Anblick war atemberaubend – das Bergpanorama mit den überzuckerten Gipfeln, die einzelnen Nebelschleier, die sich an Baumwipfeln festklammerten und die dicke, nahezu unberührte Schneedecke die das Land (endlich!) überzog. Als ich aus dem warmen Auto ausstieg, schlug mir eisige Luft ins Gesicht. Der Hund stürzte sich begeistert in den Schnee und machte Überschläge vor Freude und ich ging fast rennend den kleinen Waldpfad entlang, der neben einem Bach verlief.

Begeisterung die ich lange nicht gespürt hatte, breitete sich in mir aus. Vereinzelte Sonnenstrahlen fielen durch das schütter gewordene Dach der Bäume, Schnee tanzte wie feiner Staub herab und schillerte golden im Licht und der Schnee lag wie eine dicke, wohlige, weiche Decke auf dem Waldboden. Jeder Schritt knirschte und knarrte auf der Schneedecke und außer meinen Schritten und denen meines Hundes, unserer beider Atem und dem unaufhaltsamen Murmeln des Baches waren keine Laute zu hören. Nach einer Weile kamen zwischen den Fichtenwipfeln die ersten Felswände und Berggipfel zum Vorschein. Leicht verschleiert ragten sie aus dem Nebel auf, die Gipfel leuchteten im kalten Licht der Wintersonne. Und zu den Füßen der gewaltigen Berge lag der See. Der See selbst war nur zu erahnen, denn auch er schlief unter einer Meterdicken Schneeschicht.

Stille

Ich folgte einem kleinen Pfad, der über eine kleine hölzerne Brücke führte. Dort verharrte ich, denn der Anblick, der sich mir dort bot, raubte mir schier den Atem. Aus dem See floß ein kleiner Bach heraus, der kaum hörbar vor sich hinflüsterte. Stille…es war kein Laut zu hören, kein Autolärm, kein Mensch außer mir unterwegs, kein Knacken, kein Rauschen – es war komplett still. Selbst mein Hund gab keinen Laut von sich und lauschte in die Stille (in der er vermutlich mehr hörte als ich). Ab und zu durchbrach der Schrei irgendeines Waldvogels die verstummte Welt, aber außer meinem Atem hörte ich nichts. Ich war wie gebannt von diesem herrlichen Schweigen der Natur, das wie die schönste Musik in meinen Ohren klang. Und während ich da stand, wurde mir plötzlich bewusst, dass auch in mir Stille herrschte. Während ich dem Schweigen des Winterwaldes gelauscht hatte, waren auch meine Gedanken mehr und mehr verstummt und ein herrlich angenehmes Gefühl der Ruhe und des Friedens breitete sich in mir aus. Ich spürte den Raum und konnte endlich  das Lied der Stille wieder hören, den Zauber der Welt wieder spüren, draußen aber auch in mir…denn in der Stille tönt die schönste Musik…

Wenn ich so an das Jahr zurückdenke, dann spüre ich nur einen stechenden Schmerz in der Brust. Mein Magen krampft sich zusammen, mein Herz wird eng…es war ein Jahr mit viel Anstrengungen, Verletzungen und Ent-Täuschungen. Es waren viel schöne Momente dabei, ich weiß das, doch die Schwere überlagert gerade alles Schöne, wie eine Decke die jedes Feuer erstickt. Es macht mich traurig, dass mir die ganzen wunderbaren Erlebnisse gerade so fremd und so fern erscheinen,als wären sie nie passiert. Es sollte umgekehrt sein, das Schöne im Herzen und das Schlechte begraben, vergessen…Ich würde gerne einen Artikel über all die aufregenden Erfahrungen und Abenteuer schreiben, doch es will mir nicht gelingen, die Gedanken an das Vergangene sind wie Dämonen…

Vielleicht gelingt es mir ja ein andermal.

Aber für das neue jahr habe ich den riesengroßen Wunsch ans Universum, dass das Jahr 2014 besser wird als das Vergangene…Prost!

Rote Rosen…

Legt rote Rosen auf die Gräber.

Hört die Schreie all jener,

die sich an den Dornen stachen

und an ihrem Gift zugrunde gingen.

Legt rote Rosen auf die Gräber.

Gedenkt Jener, die ihr Blut lassen mussten,

weil Andere ein Bett aus Rosen wählten.

Legt rote Rosen auf die Gräber.

Sie sehen das Blut, doch sie lernen nicht

dass man sich an den Dornen sticht

und zugrunde geht, wenn man Leben nicht leben lässt.

Legt rote Rosen auf die Gräber…

Der Wind…

Es ist kalt geworden. Ich wickle meinen Schal noch etwas fester um den Hals, als ich den Hügel hinauf steige. Der Wind zerrt an mir, reißt an mir, lässt meine Haare fliegen und ich zittere während ich mich der Hügelkuppe nähere. Oben eröffnet sich mir ein atemberaubender Blick, Weite in alle Richtungen. Die ferne Bergkette rahmt die eine Seite und das weite hügelige Land erstreckt sich auf der anderen Seite.

Ich kann die Weite in mir fühlen, den Raum fühlen und der Wind, der mir vorher noch grausam und unbarmherzig erschien, ist plötzlich befreiend und belebend. Ich spüre wie der Wind an mir vorbeijagt, durch die Lande weht, nie an einem Ort verharrt, niemals stillsteht. Niemals Stillstand, denke ich, ständig im Wandel, unaufhaltsam auf der Reise, immer in Bewegung…ich sauge die kalte, frische Luft, die nach Winter riecht und von Schnee und Kälte singt, in mich auf. Die Kälte belebt meinen Geist, ich spüre, wie sich mein Brustkorb hebt und senkt, atmet…lebt! Plötzlich bin ich dankbar für den eisigen Wind, der mich vorher noch zittern ließ. Ich beobachte, wie der Wind den Staub vom Boden aufwirbelt und ein Stück weiter trägt, wie sich das Gras unter seinem Atem beugt und tanzt, wie sich die Bäume wiegen. Ich denke daran, dass eben dieser Windstoß der mich jetzt erfasst, vor einigen Stunden noch an fernen Orten war, fremde Häuser und Menschen erzittern ließ…eine unglaubliche Vorstellung. Der Wind ist nicht greifbar, nicht sichtbar, nur hörbar und spürbar. Wie kann etwas Unsichtbares so viel Kraft haben? Gleichzeitig Leben bringen und zerstören?

Plötzlich höre ich den Schrei eines Bussards, der über dem Hügel seine Kreise zieht. Seine Schwingen sind ausgebreitet, kein Flügelschlag, der Wind trägt ihn. Diese unsichtbare Kraft, dieses ungreifbare Element, das man nicht mit Händen fassen kann, trägt diesen großen stolzen Vogel. Anmutig zieht er seine Kreise, mit Leichtigkeit, fast mühelos erscheint sein Flug…Der Wind, der so leicht ist, dass man ihn nicht fassen kann, ist doch so fest, dass er den Bussard trägt, emporhebt…ich breite meine eigenen Arme aus, spüre die sanfte, aber starke Kraft des Windes und meine Finger spielen mit der Luft, als wären sie Selbst Vogelschwingen. Ich schließe die Augen und stelle mir vor, wie es sein muss, durch den Wind zu jagen, getragen von der Luft – diesem geheimnisvollen Element.

Und was trägt, ist der Raum, denke ich mir. Die Luft ist der Inbegriff von Raum und nur im Raum kann man fliegen, nur der Raum kann tragen, nur im Raum kann man leben! Und statt weiterzugehen fliege ich in Gedanken Seite an Seite mit dem Bussard. Der Wind trägt mich und ich spüre, wie in mir etwas anfängt vom ewigen Wandel zu singen… Ich will frei sein wie der Wind, leicht und voll Freude an der ewigen Reise durch den weiten Raum. Und ohne es zu merken, nehme ich diese Kraft mit jedem Atemzug in mich auf, atme Raum, atme Leben…Die Luft umgibt mich, zu jeder Zeit. Mal sanfter, mal energischer, aber immer lässt sie mich den Raum spüren, der mich umfängt, der alles umgibt…

Nichts bleibt…

Der Wandel ist die Antriebskraft des Lebens…nichts bleibt, man kann nichts festhalten. Manchmal hat man das Gefühl endlich angekommen zu sein, endlich am richtigen Fleck zu sein, bei den richtigen Menschen zu sein. Es regt sich der Wunsch, dass alles so bleiben soll wie es ist, sich nichts verändert, niemals…ein sehr utopischer Wunsch…

Ankommen kann man nur auf der Reise – erkennen, dass sich die Landschaft am Wegrand, die Weggefährten und der Weg selbst ständig verändern, nichts von Dauer ist. Es gibt nur den Moment und wenn man den nicht lebt und liebt und feiert, dann ist man schon so gut wie tot…

Zur Zeit habe ich das Gefühl meine Welten stürzen wie Ozeanbrecher über mir zusammen. Keine Zeit Luft zu holen, denn kaum bin ich aus der einen Woge wieder aufgetaucht bricht die nächste über mich herein. Ich muss mich korrigieren, es gibt eine Sache die bleibt – das Chaos! Kaum habe ich das Gefühl, ich habe etwas/jemanden gefunden verschwindet es/er/sie wieder aus meinem Leben, weggerissen von der unaufhaltsamen Strömung der See. Und ich? Ich bleibe stehen, schaue nach, weine nach und wünsche mir einmal mehr, ich könnte die Dinge festhalten. Es wäre so schön, wenn Manches einfach mal so bleiben könnte, wie es ist.

Aber alles ist gut, wie immer! Dass es so sein muss, weiß ich auch, dass der Wandel der Herzschlag des Lebens ist weiß ich auch, dass ich lernen werde und weiter gehen werde, weiß ich auch…schmerzhaft ist es trotzdem manchmal, wenn man die Traumburgen vor sich zusammenstürzen sieht – ein Feuerwerk aus schelmisch schillernden Traumseifenblasen, die in alle Richtungen auseinander stieben…Und ich lächle, weil mir mal wieder bewusst wird, dass ich mehr im Traum, als in mir gelebt habe. Jede Veränderung bringt Raum für Neues und allein sein bringt Raum für Kreativität. Die meisten großen Kunstwerke wären wohl kaum ohne die süße Melancholie und das Gefühl der Einsamkeit und Sehnsucht enstanden.

In einem Moment der Klarheit, als mal wieder alles Sinn zu machen schien, entstand dieses Lied. Ein Lied über die Liebe und den Wandel und die Schönheit im Verfall…

Deswegen ein Hoch auf die Einsamkeit, die Sehnsucht, das Verlangen, die Träume und Hoffnungen und nicht zuvergessen die lange Dunkelheit und Kälte des Winters 🙂